WEITERBILDUNG neben JOB und FAMILIE

 

Anruf von meinem alten Chef (der mich gefeuert hatte)

von Perry Marshall                     Übersetzung: Martina Roters

Dies ist ein Blogpost von Perry Marshall (ein sehr erfolgreicher amerikanischer Internetmarketer). Er trifft so ins Schwarze -  und das sieht man auch an den Reaktionen auf seinem Blog - dass ich um die Erlaubnis gebeten habe, diesen Beitrag zu übersetzen und zu veröffentlichen.

Es war Freitag. Ich kam 10 Minuten zu spät zur Arbeit.
Doch noch bevor ich mein Frühstück verstauen konnte, wurde ich von Wally und Fred in Wallys Büro gerufen.

Irgendwas war grottenfalsch.

„Perry, wir müssen dich leider gehen lassen. Die Dinge entwickeln sich einfach nicht, wie sie sollten und es ist jetzt an der Zeit, dich freizusetzen.“
 

Bitte-nur-noch-eine-Chance-Unterhaltungen hatten wir schon zwei, drei Mal gehabt. Es würde keine weitere solche Unterhaltung geben.

Zwei Jahre zuvor, als sie mich einstellten, hatte Wally gesagt:  „Perry ist ein Verkäufer, der nur noch darauf wartet, einer zu werden. Und jetzt war Perry *immer noch* „am Werden“ und sie waren des Wartens müde.

Ich fuhr den langen Weg zur Arbeit zurück nach Hause. Als ich morgens um halb 10 durch die Tür kam, wusste Laura binnen einer Sekunde, was passiert war (Es war das fünfte oder sechste Mal, dass man mir gekündigt hatte und es fing an, für sie zur Gewohnheit zu werden.)

Eigentlich war meine Entlassung das  l-e-t-z-t-e , was Wally und Fred eigentlich gewollt hätten. Abgesehen von der langen Reihe verpfuschter Verkaufsabschlüsse waren wir uns eigentlich sehr sympathisch. Sie waren alle Familienväter, und einen jungen Kerl zu entlassen, der ein gerade mal 18 Monate altes Töchterchen hatte, das das Licht der Welt erblickt hatte, als er frisch in der Firma angefangen hatte, das war nicht gerade ihre Vorstellung von einer erfolgreichen Teamentwicklungsmaßnahme.

Doch es spielte keine Rolle, wie oft man „Ich bin ok/ Du bist ok/ Wir sind alle eine Familie“ gesagt hatte, Geschäft ist Geschäft und Verkaufszahlen sind Verkaufszahlen. Wer keinen Speck heimbringt, bekommt kein Abendbrot.

In Momenten wie diesem trifft man Entscheidungen, schwört heilige Eide und fasst gute Vorsätze.
Ich entschied mich, es ihnen zu zeigen, zu beweisen, dass Wally von Anfang an recht hatte und ich tatsächlich ein Verkäufer *war*, der nur noch einer werden musste! „Eines Tages… werd ichs ihnen zeigen...“ schwor ich mit gepresster Stimme.
Ein Teil von mir spielte mit dem Gedanken an „Rache“, doch ich hielt dieses Gefühl im Zaum. Die beiden taten ja nur, was sie letztendlich tun mussten.
Mehr noch, ich fasste den Entschluss, dass ich es irgendwie finden würde, dieses *irgendwas*, das doch funktionierte. Denn alles, was ich in den letzten 7 Jahren versucht hatte zu verkaufen, war ein Flop.

Es ist ein grässliches Gefühl, wenn Sie x Jahre alt sind [wie alt x auch immer sein mag] und kaum etwas, was Sie je getan haben, war erfolgreich.

Das war vor 12 Jahren.

Und jetzt raten Sie mal, was neulich passiert ist? Aus heiterem Himmel kam ein Anruf von Fred.
Er fragte, ob ich ihm beim Marketing für seine Firma helfen könnte. Seit dem Tag meiner Entlassung hatte ich ihn nicht mehr gesehen. Kurz nachdem sich unsere Wege getrennt hatten, hatte er eine neue Firma aufgebaut.

Letzte Woche saßen wir im Innenhof eines italienischen Restaurants und aßen miteinander.
Diesmal hatte er die lange Fahrt aus dem Norden der Stadt auf sich genommen, um mich aufzusuchen.
Er brachte seinen Geschäftsführer mit. Ich erzähle ihm, dass meine Zeit bei Fred so eine Zeit im Leben war, wo einfach NICHTS funktioniert hat. Wobei Fred dann sagt: „Nun, das lag nicht an mangelnder Anstrengung. Perry hat einfach ALLES versucht.“
Ich nicke zustimmend. Ja, das war nur allzu wahr, ich hatte so ziemlich alles versucht.

Und dann fragt Fred: „Haben Sie es bedauert?“
Energisches Kopfschütteln meinerseits. „Kein Bedauern. Keinmal. Dinge geschehen aus bestimmten Gründen und manchmal muss man gewisse Dinge lernen. Manchmal sind die Lektionen beinhart. Mit der Arbeit damals klappte es nicht, doch sie hat mich ausgezeichnet auf die nächste Arbeit vorbereitet, wo es dann hervorragend lief.“

Während wir so reden, gehe ich in Gedanken zurück und ich bin wirklich dankbar für das ganze Handwerkszeug, das ich damals in dieser für mich schrecklichen Zeit aneignen konnte. Es geht keine Woche vorbei, in der ich nicht irgendwas anwende, was ich in jenen beiden Jahren gelernt habe. 

Und ich werde daran erinnert, wie wirkungsvoll eine Haltung der Dankbarkeit ist, selbst wenn es sich erst mal nicht so anfühlt, als ob es überhaupt etwas gäbe, wofür man dankbar sein könnte.

Ich kann versichern, dass es sich damals nicht so *anfühlte*,  als hätte ich viel, wofür ich dankbar sein könnte. Doch das stimmte eben nicht. Ich habe nicht viel Fett angesetzt, doch ich habe JEDE Menge Muskeln aufgebaut. 

Und wissen Sie was? … Es war jedes Mal die gleiche Geschichte, in *jeder* Abteilung meines Lebens. All die verschiedenen Zeiten mit Beziehungskonflikten, Problemen mit den Kindern, Therapiesitzungen, Geldproblemen, üblen Chefs, verkorksten Geschäften, miesen Kollegen… alles immer Zeiten, wo sich Muskeln entwickeln, Muskeln entwickeln, Muskeln entwickeln. 

In jener Zeit war ich verzweifelt und betrieb LAUFEND Selbstanalysen. Fred fragte mich, was mir dazu verholfen hat, meiner Karriere endlich den entscheidenden Kick zu geben.

Ich meinte: „Ich war ein „passabler“ Verkäufer und als solcher wurde ich natürlich das Opfer der wirklich „guten“ Verkäufer. Doch als ich aufhörte, Sachen zu verkaufen, wo technische Qualitäten „hilfreich“ waren und dazu überging, Sachen zu verkaufen, wo technische Fertigkeiten „obligatorisch“ waren, da kamen die Dinge richtig ins Rollen.“
Das erschien ihm plausibel. Das Technik-Freak-Sein ist meine Hauptstärke und alles, was ich seither gemacht habe, ist komplett auf dem Boden dieser Stärke gewachsen.
Wenn ich zurückschaue, dann hätte kein Rumeiern und Rumoptimieren auf der Welt die Stelle damals für mich retten können. Ja klar, es gab Dinge, die man hätte besser machen können, es gab Projekte, die man hätte retten können. Die meisten Zutaten waren ja vorhanden, doch am Ende des Tages hab ich immer wieder versucht, einen viereckigen Stift in ein rundes Loch zu stecken. Die Arbeitsstelle damals lag im Clinch mit meinem inneren Freak.

Also … war es die *falsche* Arbeit? War es ein Fehler, diese Stelle überhaupt angenommen zu haben?

Nein.

Manchmal lernt man eine MENGE Fertigkeiten in den Zeiten, in denen man versucht, viereckige Stifte in runde Löcher zu stecken. (Um ganz ehrlich zu sein, die Stifte passen doch so gut wie NIE perfekt, oder??? Ganz sicher nicht für mich!)

Was auch immer das Leben dir gerade zuwirft, konzentrier dich auf das Positive, übe dich in Dankbarkeit und glaube daran, dass das alles einen größeren Sinn ergibt, und du den Code schon noch knacken wirst.

Und denk bitte einmal darüber nach, dass, wenn du dich in einer Situation befindest wie ich damals in meinem alten Job, wo nämlich viele Dinge fast funktionieren, aber nichts tatsächlich funktioniert, tja, dass es dann vielleicht daran liegen könnte, dass gerade mal EINE „große Sache“ daran verkehrt ist.

Manchmal, wenn man diese eine große Sache anpackt, dann wendet sich das Blatt.
Inzwischen – danke Fred… und Wally… und Nick und Ron und Gary und Jim und Mike und all die anderen
skurrilen Charaktere, an denen ich mich gerieben habe
.
Mein Freund, ich hoffe, du kannst mittlerweile Dankbarkeit empfinden für die verrückten Dinge, die du durchmachen musstest und für all die Nackenschläge, die du einstecken musstest. Da gibt es ein altes Sprichwort „Die Wunden, die ein Freund schlägt, sind der Treu“ und da ist wirklich was dran. Das Labor der Wirklichkeit sagte wohl gerade „Es ist Zeit, weiterzuziehen“ und Wally und Fred taten das Richtige, indem sie dem ihr Ohr nicht verschlossen.

Und denk einfach dran..  Du weißt nie, wann Dinge sich zum perfekten Rund zusammenfügen, wann du den Respekt erntest, den in der vorigen Lebensphase so verzweifelt vermisst hast.

Du weißt eben nie, wann jemand, für den du damals noch „nicht zu gebrauchen“ warst, dich plötzlich als hilfreich ansieht. Und vielleicht sogar als unentbehrlich.

Du bist eingeladen, uns im Kommentar deine eigene Geschichte mitzuteilen.

Perry Marshall

Quelle: http://www.perrymarshall.com/9244/old-boss/



© Martina Roters ist Direktmarketing-Texterin, Mitglied im profitexter.net(t) Sie ist Autorin des E-Books "So schaffst du alles - Weiterbildung neben Job und Familie" und betreibt die gleichnamige Webseite. Besuchen Sie www.soschaffstdualles.de, um Tipps und Ratschläge zu bekommen, wie man sich die zahlreichen Stolpersteine auf dem Weg zum eigenen Weiterbildungsziel aus dem Weg räumt und gleichzeitig sein Familienglück bewahrt. Über Twitter gibt sie Lern- und Motivationstipps.
Twitter-Eisvogel Martina Roters                                                                     http://www.twitter.com/Lernhelferin Twitter-Vogel  
     

 

 

 
Willkommen.
 
Die Zukunft ist voller Geheimnis und lässt uns Großes hoffen. Doch gute Vorsätze...

 
 
 
 

 
Mit der Such-Funktion können Sie diesen Webauftritt nach Unterseiten mit bestimmten Wörtern durchsuchen. 
  

"soschaffstdualles.de"


Meine Empfehlung: 

Nobody is perfect! Daher hat mich dieser Kurs begeistert: Am besten gleich mal angucken: